Foto: Tuğba / Pexels7 Heizfehler im Krisenfall, die gefährlich oder ineffektiv sind
Diese 7 Heizfehler im Krisenfall können gefährlich werden: von CO-Vergiftung bis zum Rohrbruch. So vermeidest du tödliche Fehlentscheidungen.
Warum Heizfehler im Krisenfall besonders gefährlich sind
Im normalen Alltag kostet ein Heizfehler höchstens Energie und Geld. Im Krisenfall – wenn der Strom weg ist, der Notruf überlastet ist und niemand schnell helfen kann – können dieselben Fehler tödlich sein. Jedes Jahr sterben Menschen in Deutschland durch Kohlenmonoxidvergiftung beim improvisierten Heizen. Das muss nicht sein.
Diese 7 Fehler sehen wir immer wieder, wenn Menschen unvorbereitet auf einen Heizungsausfall reagieren. Kennst du sie alle?
Fehler 1: Holzkohlegrill oder Gasgrill als Zimmerheizung nutzen
Das passiert: Strom und Heizung weg, der Grill ist noch im Keller. Ein kurzer Gedanke: "Der wärmt doch auch." Ein fataler Irrtum.
Warum es tötet: Holzkohle und Gas verbrennen Sauerstoff und erzeugen dabei Kohlenmonoxid (CO). CO ist farb- und geruchlos. In einem schlecht belüfteten Raum steigt der CO-Gehalt innerhalb von Minuten auf tödliche Werte. Du merkst es nicht – du schläfst einfach ein und wachst nicht mehr auf.
Jährliche Opfer in Deutschland: Das Bundesumweltamt zählt jedes Jahr 350–400 CO-Vergiftungstodesfälle. Ein großer Teil davon im Winter durch improvisiertes Heizen.
Die Lösung: Nur für den Innenbereich zugelassene Geräte verwenden (Kennzeichnung auf Gerät und Verpackung). CO-Melder kaufen.
Fehler 2: Kein CO-Melder im Haus haben
Das passiert: "Ich bin doch kein Raucher und heize mit Gas oder Öl." CO-Melder werden als unnötig empfunden – bis der Notfall eintritt.
Warum es ein Problem ist: Selbst zugelassene Notfallheizer (Propan, Petroleum) können bei mangelhafter Belüftung CO produzieren. Ein CO-Melder kostet 20–40 Euro und rettet Leben.
Die Lösung: Mindestens einen CO-Melder im Aufenthaltsraum und einen im Schlafzimmer. Batterie jährlich wechseln. Beim Heizen mit Alternativgeräten: Melder unbedingt vor Ort betreiben.
Fehler 3: Die Heizung auf Maximum stellen wenn sie wieder anspringt
Das passiert: Strom kommt zurück, Heizung springt an – sofort auf 30°C Raumtemperatur stellen um schnell warm zu werden.
Warum es problematisch ist: Rohre, die durch Kälte an den Rand des Einfrierens waren, können beim Aufheizprozess bersten. Besonders gefährdet: Außenwandrohre und schlecht gedämmte Steigungen im Keller.
Außerdem: Eine sehr kalte Wohnung schnell aufzuheizen ist energieeffizienter als gedacht – aber das plötzliche Dehnen von Materialien kann Schäden verursachen.
Die Lösung: Heizung schrittweise hochfahren. Erst 16°C, nach einer Stunde 18°C, dann normal. Alle Hähne auf lauwarm laufen lassen um Rohre zu prüfen.
Fehler 4: Backrohr oder Elektroherd als Notfallheizung nutzen
Das passiert: "Der Ofen heizt doch sowieso den Küche mit." Viele Menschen lassen den Backofen bei offener Klappe laufen um die Küche zu wärmen.
Warum es ein Problem ist:
- Gasbackofen: Erzeugt CO durch Verbrennung in einem nicht für diesen Zweck konzipierten, schlecht belüfteten Bereich. Lebensgefährlich.
- Elektroherd: Heizspiralen sind nicht für Dauerbetrieb über Stunden ausgelegt. Überhitzung, Brandgefahr.
- Kosten: Elektroherd als Heizung ist extrem ineffizient – 10× teurer als normale Heizung.
Die Lösung: Herd nur zum Kochen. Für Wärme: zugelassene alternative Heizgeräte mit korrekter Belüftung.
Fehler 5: Alle Räume gleichzeitig beheizen wollen
Das passiert: Mehrere Zimmer mit Teelichtern, Kerzenclustern und dem einen Notfallheizer versorgen – alle gleichzeitig.
Warum es ineffektiv ist: Wärme ohne ausreichende Quelle verteilt sich auf viele Räume und wärmt keinen davon wirklich. Der Heizer arbeitet auf Volllast ohne effektiven Wärmeeffekt.
Die Lösung: Die "Wärmeinsel"-Strategie:
- Alle Haushaltsmitglieder in einem Raum
- Türen zu anderen Räumen schließen
- Diesen einen Raum effektiv beheizen
- Mit Decken und Schlafsäcken die Körperwärme aller nutzen
Ein Raum mit 20 m² lässt sich mit einem kleinen Propanofen deutlich effizienter warm halten als 80 m² Wohnfläche.
Fehler 6: Brennendes Feuermaterial unbeaufsichtigt lassen
Das passiert: Kerzen auf dem Tisch, beim Einniken eingeschlafen. Oder Kaminofen offen gelassen, ein Funke fliegt auf den Teppich.
Brandstatistik: Die Feuerwehren in Deutschland verzeichnen deutlich mehr Wohnungsbrände im Winter, besonders in Wochen mit Heizungsausfällen. Viele entstehen durch improvisiertes Beheizen.
Die Lösung:
- Kerzen immer auf nicht-brennbarer Unterlage und niemals unbeaufsichtigt
- Kaminofen hat Vorschutzgitter
- Rauchwarnmelder in jedem Raum (in Deutschland Pflicht, aber nicht immer umgesetzt)
- Campingkocher oder Gasheizer nicht in der Nähe von Gardinen, Textilien oder Papier
Fehler 7: Rohre nicht schützen und Frostschäden riskieren
Das passiert: Heizung fällt aus, der Fokus liegt auf dem eigenen Warmhalten. Die Wasserleitungen werden vergessen.
Was passiert bei eingefrorenen Rohren: Wasser dehnt sich beim Gefrieren um 9% aus. Rohre, besonders ältere Kupfer- oder Kunststoffrohre, platzen. Wenn dann das Wasser wieder auftaut, kann ein einziges geplatztes Rohr Zehntausende Euro Schaden verursachen.
Praxishinweise:
- Tropfenlassen: Bei Temperaturen unter 0°C alle Wasserhähne leicht tropfen lassen. Fließendes Wasser friert langsamer ein.
- Haupthahn schließen wenn das Gebäude verlassen wird
- Risikobereiche kennen: Außenwände, unbeheizter Keller, Garage mit Wasseranschluss
Im Notfall (Rohr eingefroren, aber noch nicht geplatzt): Nie mit offenem Feuer oder Föhn auftauen. Warmes (nicht heißes) Wasser auf Tücher geben und langsam auftauen. Klempner anrufen sobald möglich.
Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
- CO-Melder: Pflicht vor jedem Alternativheizer
- Nur zugelassene Innenraumheizer verwenden
- Wärmeinsel-Strategie statt alle Räume heizen
- Feuer nie unbeaufsichtigt lassen
- Rohre schützen bei unter 0°C
- Schrittweises Aufheizen nach Kälteperiode
Vorbereitung vor dem Krisenfall ist besser als Improvisation danach. Wer diese 7 Fehler kennt und vermeidet, ist deutlich sicherer durch den Winter.




