Foto: monicore / PexelsEvakuierung mit Haustieren: Was du vorbereiten musst
Evakuierung mit Hund, Katze und Co: Checkliste, Transport, Notunterkünfte und Vorratstipps für Tierbesitzer in der Krise.
Haustiere in der Krise: Oft vergessen, nie unwichtig
In der Hitze des Gefechts werden Haustiere oft vergessen oder zu spät berücksichtigt. Dabei sind für Millionen Deutsche Hunde, Katzen, Vögel und andere Tiere Familienmitglieder – und sie haben die gleiche Pflicht zur Fürsorge wie menschliche Familienmitglieder.
Das Problem: Viele Notunterkünfte nehmen keine Tiere auf. Viele Tierbesitzer weigern sich deshalb zu evakuieren – und setzen sich und ihre Familien in Gefahr. Mit der richtigen Vorbereitung umgehst du dieses Dilemma.
Teil 1: Vorab-Vorbereitung (Jetzt erledigen)
Dokumente und Identifizierung
- Microchip (für Hunde Pflicht, für Katzen empfohlen): Chip-Nummer notiert
- Impfausweis (EU-Haustierausweis für Hund/Katze): Kopie in Evakuierungstasche
- Aktuelle Fotos des Tieres (für Vermisstenmeldungen): Auf Handy und ausgedruckt
- Heimtierversicherung: Nummer und Kontakt notiert
- Tierarzt-Kontakt: Telefon und Notfallvertretung gespeichert
Notfallausrüstung bereitstellen
- Transportbox oder Tragetasche: Passend für das Tier, sofort griffbereit
- Katzen und Kleintiere: Geschlossene Box mit Belüftung
- Hunde: Stabile Transportbox oder Fahrzeugsicherung
- Leine und Halsband/Geschirr: Extra-Set in Evakuierungstasche
- Maulkorb (falls Tier im Stress beißt): Optional aber empfohlen
- Sicherheitsweste für Hunde mit Reflektor (Sichtbarkeit bei Dunkelheit)
Futtervorrat anlegen
- Trockenfutter: Mindestens 7 Tage Vorrat
- Dosenfutter: 7 Tage Vorrat (kein Strom = kein Trockenfutter bei bestimmten Tieren)
- Trinkwasser: 1–2 Liter pro Tag für Hunde, 0,2–0,3 Liter für Katzen
- Medikamente: Rezeptpflichtige Tiermedikamente 14 Tage Vorrat beim Tierarzt anfragen
Teil 2: Tierarzt und Notfallplan
Vorab mit Tierarzt besprechen
- Notfallmedikamente für Krisenfall: Beruhigungsmittel für sehr ängstliche Tiere
- Erkrankungen dokumentiert: Welche Erkrankungen hat das Tier? Welche Medikamente?
- Notaufnahme-Tierarzt in der Region kennen: Wer hat Notfalldienst?
- Impfungen aktuell: Besonders Tollwut (wichtig für grenzübergreifende Evakuierung)
Plan für verschiedene Szenarien
Szenario 1: Du evakuierst mit dem Tier
- Route zu tierfreundlicher Unterkunft kennen (Hotels, Freunde mit Garten)
- Tierheim als letzter Ausweg – frühzeitig anrufen
Szenario 2: Du kannst das Tier nicht mitnehmen
- Notfallkontakt für Tier: Wer übernimmt im Notfall dein Tier?
- Tiernotaufnahme / lokales Tierheim Nummer kennen
- Tier niemals zurücklassen ohne Wasser und ausreichend Futter für mindestens 3 Tage
Teil 3: Tierfreundliche Notunterkünfte finden
Das Problem: Viele offizielle Evakuierungszentren nehmen keine Tiere auf.
Alternativen:
- Hotels mit Haustiererlaubnis: Liste vorab erstellen (booking.com, HRS mit Filter "Haustiere erlaubt")
- Freunde und Familie mit Garten: Absprache vorab treffen
- Bauernhöfe in der Region: Oft bereit, Tiere temporär aufzunehmen
- Lokale Tierheime: In Krisenfall überfüllt, aber als Anlaufstelle kontaktieren
- Facebook-Gruppen / Nextdoor: Im Krisenfall bieten Nachbarn oft Platz an
Tipp: Halte vorab eine Liste mit 3–5 tierfreundlichen Unterkünften im Umkreis von 50 km bereit.
Teil 4: Während der Evakuierung
Im Auto
- Tier sicher transportiert: Box gesichert, kein freies Herumlaufen im Fahrzeug
- Regelmäßige Pausen: Hunde alle 2 Stunden, Katzen brauchen weniger
- Keine offenen Fenster: Gestresstes Tier kann springen
- Wasser bereithalten: Trinkschale, die nicht kippt
Zu Fuß (wenn Auto nicht möglich)
- Tragetasche für Katzen und Kleintiere (in beiden Händen freie Hände für Rucksack)
- Hundeleine sicher: Doppelte Sicherung (Halsband + Geschirr)
- Wasservorrat: Hunde brauchen bei Stress mehr Wasser
Stresszeichen beim Tier erkennen
- Hund: Hechelnd, zittert, Nackenhaare gesträubt, bellend/winselnd
- Katze: Versteckt sich, zischt, weigert sich in Box zu gehen
- Umgang: Ruhig bleiben, bekannte Stimme, Decke oder Lieblingsspielzeug bereit
Teil 5: Spezielle Tierarten
Hund und Katze
Standard-Evakuierung wie beschrieben. Leine nie losslassen in fremder Umgebung.
Kleintiere (Hasen, Meerschweinchen, Hamster)
- Transportbox mit Belüftung (nicht luftdicht!)
- Futter und Wasser für mind. 48h in der Box
- Temperatur beachten (keine Überhitzung im Auto)
Vögel
- Käfigtransport mit stabiler Abdeckung (verhindert Panikflattern)
- Zugluft vermeiden (Vögel sehr empfindlich)
- Futternapf während Transport entfernen (verhindert Verschütten und Verschlucken)
Exoten (Reptilien, Aquarientiere)
- Reptilien: Wärmebeutel für Transport
- Aquarientiere: Spezieller Transport in belüfteten Behältern, wenig Zeit
- Vorab mit Tierarzt oder Exoten-Spezialisten Plan erstellen
Die wichtigste Vorbereitung: Jetzt entscheiden
Entscheide heute: Was machst du wenn eine Evakuierung kommt?
- Wohin gehst du mit dem Tier?
- Was tust du wenn du das Tier nicht mitnehmen kannst?
- Wer ist dein Backup-Betreuer?
Diese Entscheidungen jetzt zu treffen ist deutlich einfacher als im Krisenfall. Notiere den Plan, teile ihn mit allen Haushaltsmitgliedern und lege die Notfallausrüstung bereit.




