Foto: Miguel Á. Padriñán / PexelsDigitale Notfallsicherung einrichten: Schritt-für-Schritt für Einsteiger
So sicherst du deine wichtigsten Daten für den Krisenfall: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Dokumente, Fotos, Passwörter und Kontakte ohne Technik-Vorkenntnisse.
Was du erreichen willst: Resiliente digitale Infrastruktur
Das Ziel dieser Anleitung: Nach 2-3 Stunden Arbeit sind deine wichtigsten digitalen Daten so gesichert, dass sie bei einem Geräteverlust, Internetsausfall oder Stromausfall noch verfügbar sind.
Du brauchst:
- Computer oder Smartphone
- Einen USB-Stick (min. 32 GB, empfohlen 64-128 GB)
- Eine externe Festplatte (optional, für umfangreichere Sicherung)
- Ca. 2-3 Stunden Zeit
Schritt 1: Inventar deiner wichtigsten Daten
Bevor du sicherst, weißt du was du sichern willst. Nimm 15 Minuten Zeit und liste auf:
Dokumente:
- Personalausweis-Scan
- Reisepass-Scan
- Geburtsurkunden (Familie)
- Versicherungspolicen
- Testament und Vollmachten
- Grundbuchauszug / Mietvertrag
- Steuerbescheide (letzte 3 Jahre)
- Kontonummern und IBAN
- Rentenbescheide
Fotos:
- Familienfotos (unersetzlich)
- Fotos von Wertgegenständen (für Versicherung)
- Fotos der Wohnung (für Versicherung)
Kontakte:
- Wichtigste 20-30 Telefonnummern
- Kontakte von Ärzten, Handwerkern, Behörden
Zugangsdaten:
- Liste wichtiger Konten und E-Mails
- Passwörter (verschlüsselt gespeichert)
Schritt 2: Dokumente scannen und organisieren
Mit Smartphone:
- iOS: "Notizen"-App hat eingebauten Scanner (Kamera-Icon in Note)
- Android: Google Drive App hat Scanner-Funktion
- Alternativ: Adobe Scan (kostenlos)
Vorgehen:
- Alle Dokumente aus obiger Liste einzeln einscannen
- Aussagekräftig benennen (z.B. "Personalausweis_Max_Mustermann_2024")
- In einem Ordner "WICHTIGE_DOKUMENTE" sammeln
Qualität: Scan muss lesbar sein. Test: Kannst du die Personalausweis-Nummer lesen?
Schritt 3: Alles auf USB-Stick sichern
USB-Stick vorbereiten:
- USB-Stick an Computer einstecken
- Alten Inhalt löschen (wenn bereits genutzt)
- Ordnerstruktur erstellen:
- DOKUMENTE/
- FOTOS/
- KONTAKTE/
- PASSWOERTER/ (wird verschlüsselt)
Dokumente kopieren:
- Alle gescannten Dokumente aus Schritt 2 in den DOKUMENTE-Ordner kopieren
Fotos:
- Wichtigste Fotos (nicht alles – das dauert zu lange) in FOTOS kopieren
- Priorität: Unersetzliche Familien- und Personen-Fotos
Kontakte exportieren:
- Android: Kontakte-App → Einstellungen → Exportieren als .vcf
- iOS: iTunes/Finder-Backup oder vCard-Export über iCloud.com
- Diese Datei in KONTAKTE/ speichern
Schritt 4: Passwörter sicher speichern
Option A: Passwort-Manager (empfohlen)
- Bitwarden installieren (kostenlos, Open Source)
- Alle wichtigen Passwörter einpflegen
- Vault exportieren (Bitwarden → Einstellungen → Export)
- Export verschlüsselt auf USB-Stick speichern
Option B: Passwort-Dokument (für Nicht-Techniker)
- Erstelle ein Word/LibreOffice-Dokument mit Passwörtern
- Dokument mit Passwort schützen (File → Eigenschaften → Sicherheit)
- Auf USB-Stick speichern
Masterpasswort: Das Passwort für den Passwort-Manager oder das Dokument auf Papier schreiben und sicher verwahren. Ohne das Masterpasswort bist du ausgesperrt.
Schritt 5: USB-Stick außerhalb der Wohnung aufbewahren
Warum wichtig: Wenn deine Wohnung beim Hochwasser überflutet wird oder ein Feuer ausbricht, nützt dir ein USB-Stick in der Wohnung nichts.
Optionen:
- Bankschließfach: Sicherste Option
- Bei Vertrauensperson: Eltern, enge Freunde
- Arbeit: Im abschließbaren Schreibtisch
- Zweiter USB-Stick: Einer zuhause, einer außerhalb
Wichtig: USB-Stick kühlen und trocken lagern. Nicht auf Magnete, Röntgenstrahlung, direkte Sonneneinstrahlung legen.
Schritt 6: Cloud-Backup für den normalen Fall
Neben dem USB-Stick für den Krisenfall: Cloud-Backup für den Normalfall.
Empfehlung für Deutsche:
- DSGVO-konform: Strato HiDrive, Telekom MagentaCloud, Nextcloud (selbst gehostet)
- International mit europäischen Rechenzentren: Dropbox Business, OneDrive
Automatisches Backup:
- Smartphone-Fotos automatisch synchronisieren
- Dokumente in Cloud-Ordner speichern
Unterschied USB vs. Cloud:
- USB: Für den Fall wenn Internet weg ist
- Cloud: Für den Fall wenn Gerät kaputt ist aber Internet da ist
Schritt 7: Wichtige Kontakte auf Papier
Papier-Backup der allerwich tigsten Nummern:
| Person/Stelle | Telefon |
|---|---|
| Partner/Partnerin | |
| Eltern | |
| Geschwister | |
| Bester Freund/Freundin | |
| Arzt | |
| Tierarzt | |
| Notaufnahme nächstes Krankenhaus | |
| Polizei | 110 |
| Feuerwehr/Rettung | 112 |
Dieses Blatt: Laminieren, in Notfallrucksack stecken.
Schritt 8: Regelmäßige Wartung
Monatlich:
- Smartphone-Fotos prüfen ob sie in Cloud synchronisiert wurden
Vierteljährlich:
- Neue Dokumente zum USB-Stick hinzufügen
Jährlich:
- Vollständigen USB-Stick-Stand aktualisieren
- Passwörter prüfen und aktualisieren
- USB-Stick-Funktion testen (stecken, öffnen, lesen)
Checkliste: Bist du fertig?
- Alle wichtigen Dokumente gescannt?
- Dokumente auf USB-Stick?
- Wichtige Fotos auf USB-Stick?
- Kontakte exportiert und gespeichert?
- Passwörter gesichert?
- USB-Stick außerhalb der Wohnung?
- Notfallkontakte auf Papier in Notfallrucksack?
Fazit: 2 Stunden für digitale Sicherheit im Krisenfall
Diese Anleitung braucht beim ersten Mal 2-3 Stunden. Danach ist die Wartung minimal. Das Ergebnis: Im Krisenfall verlierst du keine irreversiblen Daten und kannst sofort auf wichtige Informationen zugreifen – auch ohne Internet.




