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72-Stunden-Notfallvorrat: Was du wirklich brauchstFoto: Alexander Van Steenberge / Unsplash
grundlagen3. Oktober 20265 Min. Lesezeit

72-Stunden-Notfallvorrat: Was du wirklich brauchst

Alles, was du in 72 Stunden nach einem Notfall zum Uberleben brauchst - kompakte Checkliste mit konkreten Mengenangaben.

Warum genau 72 Stunden?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt offiziell, sich auf mindestens 72 Stunden Selbstversorgung vorzubereiten. Drei Tage klingen nach wenig, sind aber der kritische Zeitraum, in dem Rettungs- und Versorgungskräfte nach einem großen Katastrophenereignis erst anlaufen. In dieser Zeitspanne bist du auf dich allein gestellt.

Das Schone: Ein 72-Stunden-Vorrat lässt sich mit einem einzigen Einkauf und rund 50-80 Euro zusammenstellen. Er braucht wenig Platz und ist leicht zu warten. Wer diesen Basisvorrat hat, ist gegenüber 90% der deutschen Haushalte deutlich besser aufgestellt.

Dieser Artikel gibt dir konkrete Mengenangaben und keine vagen Empfehlungen. Kein "lagere ausreichend Wasser" - sondern "6 Liter pro Person für drei Tage".

Wasser: Die kritische Ressource

Wasser ist in den ersten 72 Stunden die wichtigste Ressource. Der menschliche Korper kann über Wochen ohne Nahrung uberleben, aber nur wenige Tage ohne Wasser. Bei einem großflächigen Stromausfall konnen Wasserwerke und Pumpstationen ausfallen, wodurch die Wasserversorgung unterbrochen wird.

Konkrete Mengenangaben:

  • Trinken: 2 Liter pro Person und Tag
  • Kochen und Korperflege: 1-2 Liter pro Person und Tag
  • Minimum für 72 Stunden (1 Person): 6-9 Liter
  • Minimum für 72 Stunden (4-Personen-Haushalt): 24-36 Liter

Empfohlene Lagermöglichkeiten:

  • 10-Liter-Kanister aus lebensmittelechtem HDPE-Kunststoff (opak, blau oder weiss)
  • Alternativ: 1,5-Liter-PET-Flaschen aus dem Supermarkt (6-10 Stuck pro Person)
  • Einmal jährlich das Wasser tauschen und Behälter reinigen

Wasseraufbereitung für den Notfall: Wenn dein Vorrat aufgebraucht ist oder du unsicher über die Qualitat bist:

  • Wasserfilter (LifeStraw, Sawyer Squeeze): Filtert Bakterien und Protozoen
  • Mikropur-Tabletten: Chemische Aufbereitung gegen Viren und Bakterien
  • Abkochen: 1 Minute sprudelndes Kochen totet alle Krankheitserreger

Nahrung: 2.000 Kalorien pro Tag ohne Kochen

Drei Tage ohne Strom bedeuten: Kein Elektroherd, kein Mikrowelle, kein Backofen. Plane deshalb Lebensmittel ein, die ohne Zubereitung essbar sind - oder hochstens mit einem Campingkocher erhitzt werden konnen.

Kalorienbedarf:

  • Erwachsene: 2.000-2.500 kcal/Tag
  • Kinder (6-12 Jahre): 1.500-2.000 kcal/Tag
  • Erhohter Bedarf bei Stress und korperlicher Tatigkeit

Ideale No-Cook-Lebensmittel für 72 Stunden:

LebensmittelKalorien/100gHaltbarkeitBesonderheiten
Nüsse (gemischt)~600 kcal6-12 MonateEnergie + Fett + Protein
Vollkornknackebrot~350 kcal12 MonateSattigt gut
Erdnussbuttar~590 kcal12 MonateProtein + Fett
Honig~300 kcalUnbegrenztEnergie + antibakteriell
Dosengemuse (Mais, Erbsen)~80-100 kcal3-5 JahreSofort essbar
Konservenfisch (Thunfisch, Sardinen)~200 kcal3-5 JahreProtein
Müsliriegel~450 kcal12 MonateHandlich, schnell
Trockenfrüchte~300 kcal12 MonateEnergie + Vitamine

Wichtig: Ein einfacher KurbelDosenoffner kostet unter 5 Euro und ist unverzichtbar. Wer Dosen einlagert, aber keinen manuellen Offner hat, kann seinen Vorrat im Notfall nicht nutzen.

Licht und Energie: Dunkelheit ist unterschatzt gefahrlich

Stromausfall bedeutet Dunkelheit - ab der Dammerung vollständige Dunkelheit. Das ist psychisch belastend, praktisch gefahrlich (Stolpern, Unfalle) und erschwert jede Aktivitat.

Basisausstattung Licht:

  • Stirnlampe mit frischen Batterien (oder aufgeladen, falls wiederaufladbar) - empfehlenswert: LED, mindestens 100 Lumen
  • Campinglaterne für den Tisch/Raum - beleuchtet eine ganze Umgebung statt nur einen Strahl
  • Teelichter (50-100 Stuck) als Erganzung - aber nie unbeaufsichtigt lassen

Energie für Gerate:

  • Powerbank (mindestens 20.000 mAh) - vollständig aufgeladen aufbewahren und alle 3 Monate nachladen
  • AA- und AAA-Batterien in ausreichender Menge (fur alle Gerate im Haushalt prufen)
  • Solarlader als Backup für längere Ausfalle

Erste Hilfe und Medikamente

Notruf und Krankenhaus konnen in einer großen Katastrophe uberlastet oder nicht erreichbar sein. Grundlegende Erste-Hilfe-Fahigkeiten und -Materialien sind wichtig.

Erste-Hilfe-Kasten muss enthalten:

  • Verbandsmaterial: Pflaster in verschiedenen Grossen, elastische Binden, Mullkompressen
  • Desinfektionsmittel (Betaisodona oder Chlorhexidin)
  • Pinzette und Schere
  • Einweghandschuhe (mindestens 5 Paare)
  • Fieberthermometer
  • Rettungsdecke (gold/silber)

Medikamente:

  • Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol) für 3 Tage
  • Durchfallmittel (Imodium)
  • Antihistaminika bei Allergieneigung
  • Wichtig: Verschreibungspflichtige Medikamente immer einen Vorrat von mindestens 7 Tagen halten - mit deinem Arzt abstimmen

Kommunikation und Dokumente

Wenn Mobilfunkmasten und Internet ausfallen, brichst du den Kontakt zur Aussenwelt ab. Und wenn du evakuiert werden musst, brauchst du deine wichtigsten Dokumente.

Kommunikation:

  • Batterie- oder kurbelradio (DAB+ oder UKW) - das BBK sendet im Katastrophenfall über Rundfunk
  • Notfallnummern auf Papier: Polizei (110), Feuerwehr/Rettung (112), Arzt, Familie, Nachbarn
  • Treffpunkt mit der Familie vereinbaren für den Fall, dass ihr getrennt seid

Dokumente (kopieren und wasserfest aufbewahren):

  • Personalausweis / Reisepass
  • Krankenversicherungskarte
  • Wichtige Versicherungsunterlagen
  • Bargeld (mindestens 100-200 Euro in kleinen Scheinen und Munzen)

Die komplette 72-Stunden-Checkliste

Hier ist eine kompakte Ubersicht aller benötigten Positionen für eine Person:

Wasser:

  • 6-9 Liter Trinkwasser (2-3 Liter/Tag)
  • Wasseraufbereitungstabletten oder -filter

Nahrung:

  • Knackebrot / Vollkorncracker (500-700g)
  • Nüsse (500g)
  • Erdnussbutter (1 Glas)
  • Müsliriegel (12-18 Stuck)
  • 3-4 Dosen Fisch oder Fleisch
  • Trockenfrüchte (200-300g)
  • Manueller Dosenoffner

Licht und Energie:

  • Stirnlampe + frische Batterien
  • Campinglaterne + Batterien
  • Powerbank (vollgeladen)
  • Teelichter (30-50 Stuck)

Erste Hilfe:

  • Vollständiger Erste-Hilfe-Kasten
  • 3-Tage-Vorrat Schmerzmittel
  • Personliche Medikamente (7-Tage-Vorrat)

Kommunikation und Sonstiges:

  • Batterie- oder Kurbelradio
  • Notfallnummern auf Papier
  • Bargeld (100-200 Euro)
  • Dokumentenkopien

Dieser Vorrat passt in eine mittelgroße Kiste und lässt sich in einem einzigen Einkauf zusammenstellen. Wer diese Basis hat, ist für die kritischen ersten 72 Stunden solide gerüstet. Der nächste Schritt ist dann, diesen Vorrat auf 10-14 Tage auszubauen.

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