Wasservorrat anlegen — Schritt für Schritt
Wie du ausreichend Trinkwasser für Notfälle bevorratest: Mengen, Behälter, Lagerung und Haltbarkeit.
Warum Wasser die wichtigste Ressource ist
Bei einem Stromausfall oder einer Katastrophe ist Trinkwasser die kritischste Ressource überhaupt. Ohne Strom funktionieren Wasserwerke, Pumpen und Aufbereitungsanlagen nicht mehr — innerhalb weniger Stunden kann die Versorgung zusammenbrechen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt einen Notvorrat für mindestens 14 Tage. Wer rechtzeitig vorsorgt, ist auf diese Situation vorbereitet.
Der menschliche Körper besteht zu etwa 60 % aus Wasser. Bereits ein Verlust von 2 % des Körpergewichts durch Dehydrierung beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit spürbar. Nach drei Tagen ohne Wasser sind lebensbedrohliche Zustände möglich. Im Gegensatz dazu kann ein Mensch mehrere Wochen ohne feste Nahrung überleben.
Wie viel Wasser brauchst du?
Die Faustregel lautet: 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag für Trinken und Kochen. Für Hygiene, Körperpflege und Reinigung kommen weitere 2–3 Liter hinzu, je nach Situation. Für 14 Tage ergibt das für eine vierköpfige Familie mindestens 112 Liter allein für den Trinkbedarf.
Berücksichtige zusätzliche Bedarfe:
- Haustiere: Hunde und Katzen brauchen täglich 50–100 ml je kg Körpergewicht
- Kranke oder ältere Personen: erhöhter Flüssigkeitsbedarf durch Medikamente oder Fieber
- Babys und Kleinkinder: höherer relativer Bedarf als Erwachsene
- Sport oder körperliche Arbeit: bis zu doppelter Bedarf bei Anstrengung
Orientierungswerte auf einen Blick
| Personenzahl | Mindestvorrat (14 Tage, nur Trinken) | Empfohlen (inkl. Hygiene) |
|---|---|---|
| 1 Person | 28 Liter | 56 Liter |
| 2 Personen | 56 Liter | 112 Liter |
| 4 Personen | 112 Liter | 224 Liter |
Geeignete Behälter für den Wasservorrat
Nicht jeder Behälter ist für die langfristige Wasserlagerung geeignet. Wichtige Kriterien: lebensmittelecht, lichtundurchlässig, dicht verschließbar und stabil.
Empfohlene Behältertypen:
- PET-Wasserkanister (5–20 Liter): Lebensmittelecht, günstig, stapelbar. Achte auf das Recycling-Zeichen und den Aufdruck "Lebensmittelecht". Keine farbigen Behälter verwenden — Farbe kann Schadstoffe ins Wasser abgeben.
- Glasflaschen: Ideal, da chemisch inert und geruchsneutral. Nachteil: schwer und zerbrechlich.
- Edelstahlkanister: Langlebig und geschmacksneutral, jedoch teuer und schwer.
- Faltbare Wasserkanister: Platzsparend für die Lagerung, aber weniger haltbar.
Behälter, die du vermeiden solltest:
- Wiederverwendete Milch- oder Saftkanister — Rückstände fördern Bakterienwachstum
- Behälter aus PVC oder mit BPA (Bisphenol A) — Schadstoffe können ins Wasser übergehen
- Transparente Behälter ohne Lichtschutz — Algenwachstum wird gefördert
Wasservorrat richtig lagern und haltbar halten
Abgefülltes Leitungswasser bleibt bei richtiger Lagerung 6 bis 12 Monate trinkbar. Kommerziell abgefülltes Mineralwasser ist deutlich länger haltbar — in der Regel 2 Jahre ab Abfüllung.
Optimale Lagerbedingungen:
- Temperatur: 10–20 °C, kühl und konstant. Keller oder Abstellraum sind ideal.
- Dunkelheit: Kein direktes Sonnenlicht, da UV-Strahlung Algen- und Bakterienwachstum begünstigt.
- Trocken und sauber: Behälter aufrecht lagern, nicht auf dem Boden (Kontaminationsgefahr).
- Rotation: Älteres Wasser zuerst verbrauchen, neues hinten einlagern (FIFO-Prinzip).
Beschrifte jeden Behälter mit dem Abfülldatum. Überprüfe den Vorrat alle 6 Monate — riecht oder schmeckt das Wasser eigenartig, sollte es verworfen werden.
Wasseraufbereitung im Notfall
Wenn der Vorrat erschöpft ist oder du auf alternative Quellen zurückgreifen musst, ist eine Aufbereitung notwendig. Regenwasser, Bachwasser oder Poolwasser können aufbereitet werden — aber niemals unbehandelt trinken.
Methode 1: Abkochen Das zuverlässigste Verfahren. Wasser 1 Minute sprudelnd kochen (ab 1.000 Meter Höhe 3 Minuten). Tötet Bakterien, Viren und Parasiten ab. Abkühlen lassen und in saubere Behälter abfüllen.
Methode 2: Wasseraufbereitungstabletten Tabletten auf Chlorbasis (z. B. Micropur Forte) oder Jodtabletten sind kompakt und für den Notfallrucksack geeignet. Dosierung und Einwirkzeit laut Packungsanleitung einhalten.
Methode 3: Wasserfilter Hollow-Fibre-Filter (z. B. Lifestraw, Sawyer) filtern Bakterien und Protozoen zuverlässig heraus. Sie schützen jedoch nicht vor Viren — in Deutschland meist kein Problem bei Oberflächenwasser, aber in unsicheren Situationen trotzdem mit Tabletten kombinieren.
Methode 4: Destillation Aufwendig, aber effektiv auch gegen chemische Verunreinigungen. Wasser erhitzen, Dampf kondensieren auffangen.
Wichtig: Salzwasser oder chemisch stark verunreinigtes Wasser (z. B. in der Nähe von Industrieanlagen) kann mit Haushaltsfiltern oder Tabletten nicht sicher aufbereitet werden — verlass dich nicht auf diese Methoden bei unbekannter Kontaminationsquelle.
Dein nächster Schritt
Starte noch heute mit dem Aufbau deines Wasservorrats. Ein einfacher Einstieg: Kaufe beim nächsten Einkauf 6 Flaschen Mineralwasser à 1,5 Liter mehr als üblich. Das reicht für eine Person für knapp 5 Tage. Baue deinen Vorrat Schritt für Schritt auf — du musst nicht alles auf einmal anschaffen.
Halte deinen Vorrat aktuell, rotiere regelmäßig und ergänze ihn um geeignete Aufbereitungsmittel für den Ernstfall.