Kommunikation im Notfall — Mythen zur Informationsversorgung
Irrtümer rund um Kommunikation im Krisenfall: Mobilfunk, Internet und Notruf — was wirklich funktioniert wenn das Netz zusammenbricht.
Funktioniert das Mobilfunknetz auch bei einem Stromausfall?
Nur kurzfristig. Mobilfunkmasten haben in der Regel Notstromaggregate oder USV-Anlagen (unterbrechungsfreie Stromversorgung), die bei einem Netzausfall automatisch einspringen. Diese Puffer halten je nach Ausstattung des Mastes zwischen 2 und 8 Stunden. Danach fallen die Masten aus — und mit ihnen Telefonie, SMS und mobiles Internet. In einem großflächigen Stromausfall werden die Notstromkapazitäten zudem stark beansprucht, weil alle Nutzer gleichzeitig kommunizieren wollen — das kann die Netze überlasten, noch bevor die Akkus leer sind. Was im Notfall länger funktioniert: Das Festnetz mit analogem Telefonanschluss (VoIP-Anschlüsse fallen dagegen auch aus, wenn der DSL-Router ohne Strom ist). Satellitentelefonie ist vom Stromnetz unabhängig. Kurzwellen- und Mittelwellenradio empfängt auch ohne Internet Nachrichten. Fazit: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Smartphone im Notfall 24 Stunden lang erreichbar ist — es wird früher als erwartet ausfallen.
Kann ich im Notfall über das Internet auf Behördeninformationen zugreifen?
Nicht wenn das Internet ausgefallen ist. Das ist der blinde Fleck der digitalen Informationsgesellschaft: In einem echten Blackout ist das Internet nicht verfügbar — genau dann, wenn man Behördeninformationen am dringendsten bräuchte. Webseiten von Behörden, Warn-Apps wie NINA, WarnWetter oder Katwarn setzen eine funktionierende Internetverbindung voraus. Wenn Strom und Mobilfunk ausgefallen sind, sind diese Quellen unerreichbar. Die Lösung: UKW-Radio ist nach wie vor das zuverlässigste Krisenmedium. Öffentlich-rechtliche Rundfunksender wie ARD, BR, WDR sind verpflichtet, Katastrophenschutzinformationen auszustrahlen, und haben eigene Notstromversorgung. Halten Sie ein Kurbelradio oder batteriebetriebenes Radio im Haushalt bereit — es ist die einzige Informationsquelle, die auch bei Strom- und Internetausfall funktioniert. Laden Sie zusätzlich NINA herunter und aktivieren Sie Push-Benachrichtigungen — aber verlassen Sie sich nicht ausschließlich darauf.
Ist der Notruf (110/112) immer erreichbar, auch ohne Akku?
Teilweise, aber nicht sicher. Grundsätzlich gilt: Notruf 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr/Rettung) haben höchste Priorität in der Netzauslastung. Auch ohne SIM-Karte können Mobiltelefone in Deutschland den Notruf über jedes verfügbare Netz absetzen. Aber: Wenn alle Mobilfunkmasten ausgefallen sind, ist auch der Notruf über Mobiltelefon nicht erreichbar. Das analoge Festnetz (wenn vorhanden) bleibt länger funktionsfähig — prüfen Sie, ob Ihr Anschluss wirklich analog ist oder bereits auf VoIP umgestellt wurde. In einer großen Katastrophe sind Notrufleitungen außerdem überlastet — wählen Sie den Notruf nur bei echter Lebensgefahr, nicht für allgemeine Informationsanfragen. Wichtig: Notieren Sie sich die direkten Telefonnummern von Gemeindeverwaltung, Nachbarn, Ärzten und Verwandten auf Papier. Im Notfall, wenn Kontaktlisten im Smartphone nicht mehr zugänglich sind, sind handschriftliche Notizen lebensrettend.
Reicht eine NINA-App-Installation als Notfallkommunikation aus?
Nein. NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des BBK) ist ein wichtiges Hilfsmittel — aber kein Ersatz für ein umfassendes Kommunikationskonzept. Die App setzt ein funktionierendes Smartphone, Akku und Internetverbindung voraus. Ist eines davon nicht vorhanden, liefert die App keine Warnungen. Zudem reagieren Push-Benachrichtigungen nur, wenn das Gerät eingeschaltet und mit dem Netz verbunden ist — in einem abrupten Blackout kann die Warnung fehlen. Ein gut aufgestellter Haushalt kombiniert mehrere Kommunikationsmittel: NINA und Katwarn für den Alltag, UKW-Kurbelradio für den Notfall, handschriftliche Kontaktlisten für ausfall-sicheren Zugriff auf wichtige Nummern, und einen Treffpunkt im Freien als Kommunikationsplan für Familienmitglieder, die sich trennen. In größeren Städten gibt es zudem Sirenenwarnsysteme — überprüfen Sie, ob und wo in Ihrer Gemeinde Sirenen aufgestellt sind und welche Signale welche Bedeutung haben.
Kann ich mit einem normalen Walkie-Talkie verlässlich im Notfall kommunizieren?
Mit Einschränkungen ja. PMR446-Funkgeräte (diese handelsüblichen "Walkie-Talkies") funktionieren im Freien auf flachem Gelände auf Distanzen von 0,5–3 km, in Städten mit Gebäuden oft nur 200–500 m. Sie benötigen keine Netz-Infrastruktur und nur Batterien — das macht sie sehr krisentauglich. Voraussetzungen für sinnvollen Einsatz: Beide Parteien müssen dasselbe Gerät oder zumindest denselben Kanal verwenden. Die Batterien müssen geladen sein (oder Ersatzbatterien vorhanden). PMR446 ist für kurze Entfernungen gut geeignet — für die Kommunikation mit dem Nachbarn, innerhalb eines Gebäudekomplexes oder auf einem Firmengelände. Für größere Entfernungen gibt es Amateurfunk (Lizenzpflicht, aber sehr robust) und Satellitentelefone (teuer, aber netunabhängig). Für die meisten Haushalte ist ein Paar PMR446-Geräte eine gute und günstige Ergänzung des Notfall-Kits — sie kosten 20–50 Euro und bieten echten Mehrwert wenn das Mobilfunknetz ausgefallen ist.