← Zurück zur Übersicht
23. März 20264 Min. Lesezeit

Heizung im Notfall — Was tun wenn die Heizung ausfällt?

Mythen und Irrtümer zur Wärmeversorgung im Notfall: Gasheizung, Kaminofen und Körperwärme — was wirklich hilft und was gefährlich ist.

Funktioniert meine Gasheizung auch bei einem Stromausfall?

Nein, in den meisten Fällen nicht. Das ist einer der häufigsten und gefährlichsten Irrtümer in der Notfallvorsorge. Moderne Gasheizungen — sowohl Heizkessel als auch Gastherme — benötigen Strom für Steuerung, Pumpe und Zündung. Ohne Strom bleibt die Heizung kalt, auch wenn ausreichend Gas in der Leitung ist. Nur sehr alte Heizungen mit mechanischer Zündung (Pilotflamme) funktionieren stromlos — aber diese sind in deutschen Haushalten kaum noch vorhanden. Was im Blackout funktioniert: Kaminöfen mit rein mechanischer Funktion (keine elektronische Steuerung), Holzöfen, Petroleumöfen und Kerzenheizöfen. Für Häuser mit Zentralheizung gilt: Im Winter kann ein mehrtägiger Blackout zur echten Gefahr werden. Die Wohnung kühlt je nach Dämmung und Außentemperaturen innerhalb von 12–36 Stunden auf gefährlich kalte Temperaturen ab. Planen Sie daher eine alternative Wärmequelle ein — und stellen Sie sicher, dass Sie für deren sicheren Betrieb (Belüftung!) gerüstet sind.

Ist ein Kamin oder Kaminofen in der Wohnung im Notfall sicher?

Ja, aber nur mit richtiger Vorbereitung und Betrieb. Ein funktionsfähiger Kaminofen oder offener Kamin ist eine der zuverlässigsten Notheizungen — er benötigt keinen Strom, kein Gas und keine externe Infrastruktur. Voraussetzungen für sicheren Betrieb: Der Schornstein muss regelmäßig gewartet werden (jährliche Reinigung durch den Schornsteinfeger ist gesetzlich vorgeschrieben). Der Zug muss einwandfrei sein — schlechter Zug kann zu Rauchentwicklung in der Wohnung führen. Verwenden Sie nur trockenes, gespaltenes Hartholz — feuchtes oder grünes Holz erzeugt mehr Teer, Ruß und Feinstaub. Niemals Müll, behandeltes Holz, Plastik oder beschichtete Materialien verbrennen — das ist nicht nur illegal, sondern giftig. Sorgen Sie für ausreichende Belüftung: Moderne Gebäude sind oft so dicht gebaut, dass der Kamin nicht genug Verbrennungsluft bekommt. Ein Lüftungsventil oder leicht geöffnetes Fenster schafft Abhilfe. Halten Sie Holzvorräte (mindestens eine halbe Raumfachschicht) parat, und verwahren Sie Streichhölzer und Feuerzeuge wasserdicht.

Kann ich mein Zuhause im Winter allein durch Körperwärme warm halten?

Nur sehr begrenzt. Körperwärme kann in einem vollständig abgedichteten, gut isolierten Raum tatsächlich zur Temperaturerhaltung beitragen — das Prinzip kennen wir aus dem Iglu. Aber in einer normalen deutschen Wohnung verliert die Wärme über schlecht isolierte Fenster, Außenwände und Türen viel schneller als der menschliche Körper sie erzeugen kann. Praktische Maßnahme: Einen Raum wärmen statt alle. Ziehen Sie alle Bewohner in den kleinsten Raum mit der besten Isolierung. Stopfen Sie Türritzen mit Handtüchern oder Kissen ab. Decken, Schlafsäcke und Thermokleidung reduzieren den persönlichen Wärmeverlust drastisch. Mehrere Menschen im selben Raum erhöhen die Körperwärme signifikant. Nochmals wichtig: In einer Wohnung ohne jegliche Heizung kann die Innentemperatur bei -10 °C Außentemperatur innerhalb von 24 Stunden unter 10 °C fallen — das ist für ältere Menschen, Kleinkinder und Kranke gefährlich. Eine Notfall-Wärmequelle ist keine Luxus, sondern eine lebensnotwendige Vorsorgemaßnahme.

Sind Petroleumöfen oder Gaskocher für Wohnräume geeignet?

Mit Einschränkungen und unter strikten Sicherheitsregeln. Petroleumöfen (Paraffinöfen) sind für kurzfristige Notbeheizung in gut belüfteten Räumen geeignet. Sie verbrennen Kerosin/Paraffin relativ sauber und erzeugen dabei Wasser und CO2. Das Problem: Sie produzieren auch geringe Mengen Kohlenmonoxid und verbrauchen Sauerstoff — in einem dichten, schlecht belüfteten Raum kann das zur Vergiftungsgefahr werden. Regeln für sicheren Betrieb: Fenster leicht öffnen, maximal 2–3 Stunden am Stück betreiben, CO-Melder installieren. Campingkocher (Gaskocher, Spirituskocher) sind für das Kochen in Notfallsituationen geeignet, aber keine dauerhafte Heizlösung — die Kapazität ist zu gering für die Raumbeheizung, und der Verbrauch ist hoch. Offene Feuerstellen, Grills oder Holzkohlebrenner in Innenräumen sind absolut verboten — sie erzeugen tödliche CO-Mengen. CO-Melder sollten in jedem Haushalt mit Feuerstellen vorhanden sein und bei Notfallheizungsszenarien zwingend aktiviert werden.

Schützt gute Kleidung ausreichend, wenn die Wohnung auskühlt?

Teilweise, aber nicht dauerhaft. Hochwertige Thermokleidung und Schlafsäcke können die Körpertemperatur über viele Stunden halten — das ist ein echter Gewinn. Outdoorausrüstung wie Daunenschlafsäcke (-15 °C Komfortzone), Thermounterwäsche (Merinowolle oder Fleece) und Wolldecken sind echte Lebensretter. Aber: Kleidung gleicht nur den persönlichen Wärmeverlust aus — sie heizt die Wohnung nicht. Wenn die Innentemperatur unter 5 °C fällt, drohen Rohrbrüche durch gefrierende Wasserleitungen — ein teures und in einer Krisensituation schwer behebbares Problem. Bei Temperaturen unter 10 °C steigt das Erkrankungsrisiko für ältere Menschen und Kinder. Praxisempfehlung: Gute Thermokleidung und Schlafsäcke sind essenzieller Teil des Notfallkits. Sie überbrücken kurze Kältephasen oder ergänzen eine Notfallheizung. Aber sie ersetzen keine Wärmequelle — sie sind das zweite Standbein, nicht das erste.

Jetzt vorsorgen.

Hol dir die kostenlose App.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play