Foto: Florida Solar Fix / PexelsHochwasser: Der vollständige Vorsorge-Guide für Hausbesitzer und Mieter
Vollständiger Hochwasser-Vorsorge-Guide: Vorausplanung, Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln während der Flut und Nachsorge. Mit konkreten Tipps für Hausbesitzer und Mieter.
Hochwasser in Deutschland: Kein seltenes Ereignis mehr
Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hat gezeigt, wie verheerend Hochwasser in Deutschland sein kann: 135 Tote, 40.000 Betroffene, Schäden von über 30 Milliarden Euro. Das war kein Jahrhundertereignis mehr – es war ein Vorgeschmack auf die Zukunft des Klimawandels.
Jedes Jahr werden tausende Haushalte in Deutschland von Hochwasser betroffen. Wer in einer bekannten Risikozone lebt – oder auch wer nicht – sollte vorbereitet sein.
Phase 1: Vorausplanung (Das solltest du jetzt tun)
Risikobewertung deines Standorts
- Hochwasserkarte prüfen: Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und die Hochwasserportale der Bundesländer bieten Überschwemmungsgebiets-Karten
- Versicherung prüfen: Hast du Elementarschadenversicherung? Standard-Wohngebäudeversicherungen schließen Hochwasser oft aus
- Lagecheck: Bist du in einem Überschwemmungsgebiet (HQ10, HQ100)? Wie hoch liegt dein Keller über dem Gewässer?
Schutztechnische Maßnahmen
Für Hausbesitzer:
- Rückstauklappe im Abwassersystem: Verhindert Abwasserrücklauf in den Keller (ca. 300-1.000 Euro Einbaukosten)
- Wasserundurchlässige Türen und Fensteröffnungen: Mobile Hochwasserbarieren (Schotten)
- Pumpe im Keller: Tauchpumpe und Schmutzwasserpumpe für schnelle Reaktion
- Elektrische Anlagen erhöhen: Sicherungskasten, Heizungsanlage über dem potenziellen Wasserstand
Für Mieter:
- Vermieter auf Rückstauklappe und Kellerschutz ansprechen
- Eigene Wertsachen und wichtige Gegenstände aus dem Keller holen (oder erhöhen)
- Mietrechte bei Hochwasserschäden kennen (Vermieter haftet bei mangelndem Schutz)
Wichtige Wertsachen schützen
- Wichtige Dokumente in wasserdichte Box oder höhere Stockwerke
- Wertgegenstände aus dem Keller entfernen oder erhöhen
- Kunstwerke, Möbel und Erinnerungsstücke in Obergeschosse
Phase 2: Warnung und unmittelbare Vorbereitung
Warnsysteme kennen
- NINA-App: Offizielle Warn-App des BBK, empfängt Hochwasserwarnungen
- Pegelstände: Hochwassernachrichtendienste der Bundesländer (z.B. Bayern: HND Bayern)
- Lokaler Rundfunk: Im Krisenfall informieren Rundfunksender über Pegelstände
- Sirenen: Bei unmittelbarer Gefahr
Was tun wenn Warnung ausgelöst wird?
6-12 Stunden vor dem erwarteten Hochwasser:
- Mobile Hochwasserbarrieren aufbauen (Sandsäcke, Schotten)
- Keller leerräumen: Wertvolles, elektrische Geräte und Dokumente nach oben bringen
- Pumpe bereitstellen und testen
- Fahrzeug auf hohem Stellplatz parken (nicht in der Tiefgarage!)
- Strom im Keller abschalten (Sicherheitskasten)
- Notfallrucksack packen und bereitstellen
1-2 Stunden vor dem Hochwasser:
- Haus vollständig verlassen wenn Evakuierung angeordnet oder Wasserstand steigt
- Hauptstrom, Gas und Wasser abschalten
- Haustür abschließen und Nachbarn informieren
- Evakuierungsroute nehmen (nicht durch überflutete Straßen fahren!)
Phase 3: Während des Hochwassers
Was du NICHT tun solltest
- Niemals durch überflutetes Wasser laufen oder fahren: Fließgeschwindigkeit und unsichtbare Strömungen können tödlich sein. Bereits 30 cm Wassertiefe können ein Auto umreißen.
- Nicht in überfluteten Keller gehen: Elektrischer Strom, Wasserdruck, giftige Gase, schnell steigendes Wasser
- Nicht auf Hilfspakete warten: Im schlimmsten Fall bist du stundenlang von der Außenwelt abgeschnitten
Was du tun solltest
- In oberen Stockwerken bleiben
- Radio hören für aktuelle Informationen
- Notfallnummer 112 nur bei echten Notfällen anrufen (Leitungen nicht blockieren)
- Trinkwasser sichern: Hochwasser kontaminiert oft das Leitungswasser
Phase 4: Nach dem Hochwasser – Schadensminimierung
Vor dem Betreten des Hauses
- Warten bis Behörden das Gebäude für sicher erklärt haben
- Strom, Gas und Wasser offiziell freigegeben? Fachmann hinzuziehen
- Auf Boden-Risse oder strukturelle Schäden prüfen
Schadensdokumentation
- Sofort: Alle Schäden fotografieren und filmen BEVOR du anfängst aufzuräumen
- Schadensprotokoll erstellen: Was ist beschädigt, wo, in welchem Ausmaß
- Versicherung sofort informieren (oft Meldefrist innerhalb von 24-48 Stunden)
Reinigung nach Hochwasser
Hochwasser bringt Schmutz, Chemikalien, Öl und Krankheitserreger mit:
- Schutzkleidung: Gummistiefel, Handschuhe, FFP2-Maske
- Alles nasse Material schnell entfernen: Matratzen, Teppiche, Möbel (Schimmel entsteht binnen 24-48 Stunden)
- Professionelle Reinigung für stark kontaminierte Bereiche
- Gebäudetrocknung: Profi-Trocknungsgeräte für Mauern und Böden
Versicherungsschutz: Was abgedeckt ist
Elementarschadenversicherung (muss separat abgeschlossen werden!):
- Überschwemmung durch Starkregen oder Fluss
- Erdrutsch, Erdbeben, Erdsenkung
- Rückstau aus dem Abwassersystem
Was typischerweise NICHT gedeckt ist:
- Grundwasseraufstieg (Ausnahme: spezifisch vereinbart)
- Schäden durch Wartungsmängel am Gebäude
- Fahrzeuge: Braucht Teilkasko
Wichtig: Wer in einem bekannten Überschwemmungsgebiet (HQ10 oder häufiger) lebt, hat oft Schwierigkeiten, Elementarschadenversicherung zu bekommen oder zahlt enorme Prämien.
Fazit: Hochwasserschutz ist Pflichtprogramm
Mit dem Klimawandel werden Extremwetterereignisse häufiger und intensiver. Wer in oder nahe Hochwassergebieten lebt – oder auch wer glaubt, es trifft ihn nie – sollte:
- Risiko kennen (Hochwasserkarten prüfen)
- Technisch schützen (Rückstauklappe, Pumpe)
- Versichert sein (Elementarschadenversicherung)
- Warn-App installiert haben (NINA, lokale Systeme)
- Evakuierungsplan kennen
Die Kosten für Prävention sind im Promillebereich verglichen mit dem Schaden eines realen Hochwassers.
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