Foto: Roger Brown / PexelsHerzdruckmassage richtig durchführen: Schritt-für-Schritt bis Rettungsdienst kommt
Herzdruckmassage Schritt für Schritt: Wie du CPR richtig durchführst, häufige Fehler vermeidest und Leben rettest bis der Rettungsdienst ankommt.
Warum CPR lebensrettend ist – und jeder es können muss
Herzstillstand ist einer der häufigsten Notfalltode außerhalb des Krankenhauses. In Deutschland erleiden jährlich etwa 65.000 Menschen einen Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses. Die Überlebensrate ohne sofortige Ersthelfer-CPR: unter 10%. Mit sofortiger CPR: bis zu 40%.
Jede Minute ohne Herzdruckmassage senkt die Überlebenschance um 10%. Der Rettungsdienst braucht im Durchschnitt 8–12 Minuten. Das Zeitfenster zwischen dem Beginn des Herzstillstands und der Ankunft professioneller Hilfe liegt vollständig in deinen Händen.
Wann ist Herzdruckmassage nötig?
Einziges Kriterium: Person ist bewusstlos UND atmet nicht normal.
Prüfung:
- Person ansprechen: Schulter schütteln, laut rufen ("Hören Sie mich?")
- Keine Reaktion
- Atemkontrolle: Kopf leicht überstrecken, 10 Sekunden beobachten ob Brust sich hebt und ob Atemluft spürbar/hörbar ist
- Kein normales Atmen = Herzdruckmassage beginnen
Wichtig: "Schnappatmung" (kurze, keuchende Atemzüge) zählt NICHT als normale Atmung. Bei Schnappatmung: CPR beginnen.
Schritt-für-Schritt: Herzdruckmassage
Schritt 1: Sicherheit und Hilfe holen
- Eigene Sicherheit prüfen: Ist die Umgebung sicher? (Strom, Gas, Verkehr)
- Laut rufen: "Hier brauche ich Hilfe! Wer kann helfen?"
- 112 anrufen ODER eine andere Person beauftragen:
- "Sie in der blauen Jacke – rufen Sie sofort 112! Bleiben Sie in der Leitung!"
- AED (Defibrillator) holen lassen wenn verfügbar
Schritt 2: Person richtig hinlegen
- Person auf harten, flachen Untergrund legen (Boden, nicht Matratze)
- Person liegt auf dem Rücken
- Enganliegende Kleidung öffnen (Knöpfe, Reißverschluss)
Schritt 3: Handposition bestimmen
- Knie neben der Person (Höhe der Brust)
- Mit 2 Fingern den untersten Teil des Brustbeins ertasten (Schwertfortsatz)
- Handballen 2 Fingerbreit oberhalb davon auf die Brustbeinmitte legen
- Zweite Hand darüber, Finger verschränken
- Nur der Handballen hat Kontakt – Finger bleiben angehoben
Schritt 4: Körperhaltung
- Arme gestreckt (Ellbogen nicht gebeugt)
- Schultern senkrecht über den Händen
- Oberkörper als Druckgewicht nutzen – nicht mit Armmuskeln drücken
Schritt 5: Kompressionen durchführen
Tiefe: 5–6 cm (bei Erwachsenen) Tempo: 100–120 Kompressionen pro Minute
Rhythmushilfe: "Stayin' Alive" von Bee Gees (103 BPM) im Kopf mitspielen.
Wichtig zwischen Kompressionen: Brust vollständig hochkommen lassen (Entlastungsphase). Hände nicht abheben, aber Druck vollständig wegnehmen.
Schritt 6: Beatmung (optional, aber empfohlen)
Nach 30 Kompressionen, 2 Beatmungen:
- Kopf leicht überstrecken (Kinn anheben, Kopf nach hinten neigen)
- Nase der Person mit Daumen und Zeigefinger zuhalten
- Normalen Atemzug nehmen
- Mund der Person mit dem eigenen Mund vollständig umschließen
- 1 Sekunde einblasen während du die Brust beobachtest
- Wenn Brust sich hebt: Erfolgreiche Beatmung
- Person ausatmen lassen, zweite Beatmung
Hinweis: Ohne Beatmungstraining oder Scheu vor Mundkontakt: Hands-Only CPR (nur Herzdruckmassage ohne Beatmung) ist nahezu genauso effektiv und wird für Laien empfohlen.
Schritt 7: Nicht aufhören
Fortführen bis:
- Rettungsdienst übernimmt
- Person zu atmen beginnt und sich bewegt
- AED eingesetzt wird (dann Anweisung des AED folgen)
- Du physisch nicht mehr können (dann Ablösung durch andere Person)
AED (Defibrillator) einsetzen
Wenn ein AED verfügbar ist:
- AED einschalten (Knopf oder Klappe öffnen)
- Sprachanleitung des Geräts folgen
- Elektroden wie auf Gerät/Person gezeigt aufkleben
- Alle von Person wegtreten lassen wenn Gerät "Schock empfohlen" sagt
- Schock-Knopf drücken
- Sofort nach Schock: CPR fortführen bis Gerät nächste Analyse befiehlt
AED-Nutzung ist für jeden zugänglich: Geräte hängen in Bahnhöfen, Sportzentren, Behörden. Suche: defi.de oder Google Maps "Defibrillator".
Besonderheiten bei verschiedenen Personengruppen
Kinder (1–8 Jahre)
- Drucktiefe: 4 cm (ca. ein Drittel des Brustkorbs)
- Drucktechnik: 2-Finger-Technik bei Säuglingen (Zeige- und Mittelfinger), eine Handfläche bei Kleinkindern
- Beatmung: Mit Mund und Nase gleichzeitig beim Kleinkind
Schwangere
- Linksseitige Lagerung (falls möglich, kleines Kissen unter rechte Hüfte)
- Kompressions-Lokation: Leicht höher auf dem Brustbein
- Keine Zurückhaltung aus Angst das Baby zu schaden – ohne CPR stirbt die Mutter
Übergewichtige Personen
- Brustkorb kann mehr Kraft erfordern
- Zwei Helfer im Wechsel sind ideal
- Handposition gleich – Punkt der Kompression ändert sich nicht
Häufige Fehler
Fehler 1: Zu langsam drücken 100–120 BPM sind schnell. Viele drücken zu langsam. Musik als Rhythmusgerät hilft.
Fehler 2: Nicht tief genug 5–6 cm klingt viel. Viele drücken nur 3–4 cm aus Zurückhaltung. Voller Druck ist nötig.
Fehler 3: Nicht vollständig entlasten Brust muss nach jeder Kompression vollständig hochkommen. Dauerdruck verhindert das Füllen der Herzkammern.
Fehler 4: Aufhören wenn Rippe knackt Rippenfrakturen passieren bei korrekter CPR manchmal. Knochenbruch ist heilbar. Hirnschaden durch unterbrochene CPR nicht. Weiter drücken.
Fazit: Deine Handlung zählt
Herzdruckmassage ist erlernbar, und du wirst nicht falsch liegen wenn du es versuchst. Die größte Gefahr ist nicht schlechte CPR – sondern gar keine CPR.
Ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs gibt dir die praktische Übung. Bis dahin ist dieses Wissen eine wichtige Grundlage.
Erste-Hilfe-Kurs: DRK, ASB, Johanniter, Malteser – bundesweit, ca. 30–60 Euro, 1 Tag.




