← Zurück zur Übersicht
Erste-Hilfe-Mythen: Was du NICHT tun solltest trotz gut gemeintem RatFoto: RDNE Stock project / Pexels
grundlagen3. Oktober 20274 Min. Lesezeit

Erste-Hilfe-Mythen: Was du NICHT tun solltest trotz gut gemeintem Rat

Diese Erste-Hilfe-Mythen können im Ernstfall gefährlich werden. Was du trotz gut gemeinter Tipps NICHT tun solltest — und was wirklich hilft.

Gefährliches Halbwissen: Warum Mythen in der Ersten Hilfe so gefährlich sind

Erste Hilfe wird oft aus dem Internet, von Freunden oder aus alten Schulkursen gelernt. Das Problem: Viele Empfehlungen haben sich in den letzten 20 Jahren fundamental geändert — oder waren von Anfang an falsch. Dieser Artikel räumt mit den häufigsten Mythen auf.

Mythos 1: Kopf in den Nacken legen bei Nasenbluten

Was viele machen: Kopf in den Nacken legen damit das Blut nicht mehr läuft.

Warum es falsch ist: Das Blut läuft dann in die Kehle. Das kann zu Übelkeit, Erbrechen oder sogar Aspiration (Blut in die Atemwege) führen.

Was wirklich hilft:

  1. Kopf leicht nach vorne neigen
  2. Nasenflügel mit zwei Fingern zusammendrücken (nicht die Nasenwurzel)
  3. 10-15 Minuten halten
  4. Mund zum Atmen öffnen
  5. Kühlen Waschlappen in den Nacken

Mythos 2: Zunge heraushalten bei Krampfanfall

Was viele machen: Dem Krampfenden etwas in den Mund schieben oder die Zunge festhalten.

Warum es falsch ist: Menschen schlucken ihre Zunge nicht. Das ist physiologisch unmöglich. Das Einführen eines Gegenstands kann hingegen zu Zahnfrakturen, Verletzungen der Hände des Ersthelfers oder Verletzungen des Bewusstlosen führen.

Was wirklich hilft:

  1. Gefährliche Gegenstände aus dem Umfeld räumen
  2. Weiche Unterlage unter den Kopf legen
  3. Warten bis der Anfall endet (meist 1-3 Minuten)
  4. In stabile Seitenlage bringen nach dem Anfall
  5. Rettungsdienst rufen wenn Anfall länger als 5 Minuten dauert

Mythos 3: Wunden ausbrennen oder mit Spiritus behandeln

Was viele meinen: Hochprozentiger Alkohol desinfiziert Wunden am besten.

Warum es falsch ist: Spiritus (70-96% Alkohol) zerstört Gewebe — auch das gesunde Gewebe, das für die Heilung nötig ist. Er ist für die Desinfektion von Instrumenten und Oberflächen, nicht für offene Wunden.

Was wirklich hilft:

  • Wunde mit sauberem Wasser und Seife spülen
  • Dann mit Octenisept oder Betaisodona (Jod-basiert) desinfizieren
  • Steril verbinden

Mythos 4: Verbrennungen mit Butter oder Öl kühlen

Was viele machen: Butter, Speiseöl oder Zahncreme auf Verbrennungen auftragen.

Warum es falsch ist: Fett hält Wärme in der Wunde und führt zu tieferen Schäden. Es verhindert außerdem sauberes Kühlen und erhöht das Infektionsrisiko.

Was wirklich hilft:

  1. Sofort 10-15 Minuten unter fließendem, kühlem (nicht eiskaltem) Wasser kühlen
  2. Keine Blasen aufstechen
  3. Sterile Abdeckung (kein Watteverband!)
  4. Bei großen Verbrennungen sofort Rettungsdienst

Mythos 5: Tourniquet nur als allerletzte Option

Was viele glauben: Ein Tourniquet führt immer zur Amputation der Extremität.

Warum es falsch ist: Moderne Tourniquets, korrekt angelegt, führen nur bei extrem langer Tragedauer (über 6 Stunden) zu dauerhaften Schäden. Ohne Tourniquet bei arterieller Blutung: Bewusstlosigkeit in Minuten, Tod möglich.

Was wirklich hilft: Bei unkontrollierbarer Blutung an Arm oder Bein sofort Tourniquet anlegen, Zeit notieren, Rettungsdienst rufen. Tourniquet retten Leben.

Mythos 6: "Stabile Seitenlage" immer bei Bewusstlosigkeit

Was viele meinen: Jede bewusstlose Person kommt in stabile Seitenlage.

Warum es zu einfach ist: Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung (z.B. nach Sturz, Unfall) ist die stabile Seitenlage kontraindiziert, weil sie die Wirbelsäule bewegen kann.

Was wirklich gilt:

  • Stabile Seitenlage: Ja, wenn Person unkompliziert bewusstlos ist und atmet
  • Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: Person möglichst nicht bewegen, Rettungsdienst abwarten
  • Person atmet nicht: Sofort CPR beginnen (Wirbelsäule tritt dann in den Hintergrund)

Mythos 7: AED nicht benutzen ohne Ausbildung

Was viele befürchten: Sie könnten jemanden durch falschen AED-Einsatz töten.

Warum es falsch ist: AEDs (Automatische Externe Defibrillatoren) sind für Laien konzipiert. Sie erkennen selbst ob ein Schock sinnvoll ist — und lösen ihn nur aus wenn nötig. Ein AED kann nicht schaden wenn er keinen Schock erkennt. Ohne AED stirbt ein Herzstillstand-Patient fast sicher.

Was wirklich zählt: AED anlegen, Anweisungen des Geräts folgen. Das Gerät entscheidet.

Zusammenfassung: Die 3 wichtigsten Korrekturen

  1. Nasbluten: Kopf nach vorne, nicht nach hinten
  2. Verbrennungen: Kühles Wasser, kein Fett
  3. Tourniquet: Sofort einsetzen bei arterieller Blutung — nicht zögern

Jetzt vorsorgen.

Hol dir die kostenlose App.

Im App Store ladenJetzt bei Google Play

Weitere Artikel