Foto: GK3000 / UnsplashNeue BBK-Empfehlungen 2025: So viel Notvorrat brauchst du wirklich
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat seine Vorratsempfehlungen aktualisiert. Was hat sich geändert und was musst du jetzt tun?
Die neue BBK-Empfehlung: 10 Tage statt 72 Stunden
Lange Zeit kommunizierte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Faustregel: Sei auf 72 Stunden vorbereitet. Diese Empfehlung galt als Mindeststandard für den hauslichen Notvorrat. Seit 2025 hat das BBK diese Empfehlung auf mindestens 10 Tage erhöht — eine signifikante Anderung, die ernst genommen werden sollte.
Der Hintergrund: Großschadensereignisse — Überschwemmungen, Sturme, weitraumige Stromausfalle oder andere Katastrophen — können dazu fuhren, dass staatliche Hilfe nicht sofort bei jedem ankommt. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Behörden und Hilfsdienste in den ersten Stunden und Tagen nach einem schweren Ereignis primär die schwersten Schadensfalle versorgen. Wer auf sich selbst angewiesen ist, muss langer durchkommen.
Parallel zur 10-Tage-Empfehlung hat das BBK seinen kostenlosen "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen" aktualisiert. Das Dokument kann auf der BBK-Website heruntergeladen werden und enthalt detaillierte Einkaufslisten, Lagerungshinweise und Verhaltenstipps.
Was sich konkret geändert hat
Menge: Die Wasserempfehlung wurde von 2 auf 2 Liter pro Person pro Tag für Trinken und Kochen beibehalten, aber der Planungshorizont wuchs von 72 Stunden auf 10 Tage. Das bedeutet statt 6 Litern nun 20 Liter pro Person — ein grundlegender Unterschied in der Lagerhaltung.
Energieversorgung: Das BBK betont jetzt starker die Abhangigkeit von Strom für moderne Haushaltsinfrastruktur. Empfohlen werden: Alternativen zur Stromheizung, batterie- oder kurbelgetriebene Radios, und Powerbanks.
Kommunikation: Die NINA-App und Cell Broadcast werden erstmals explizit als Pflichtelemente im Notfallplan genannt. Das BBK empfiehlt außerdem, Notfallnummern ausgedruckt im Haushalt zu haben.
Medizin: Die Empfehlungen zur hauslichen Apotheke wurden erweitert. Besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen gilt: Einen ausreichenden Vorrat an verschreibungspflichtigen Medikamenten mit dem Arzt besprechen.
Der konkrete Vorratsbedarf für einen 2-Personen-Haushalt (10 Tage)
Wasser
| Kategorie | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Trinkwasser | 40 Liter | 2 L/Person/Tag × 2 Personen × 10 Tage |
| Kochen und Hygiene | 20-40 Liter zusatzlich | Einkochen, Zähneputzen, Nottoilette |
| Gesamt | ca. 60-80 Liter | Kanister a 10 L: 6-8 Stuck |
Lebensmittel
Das BBK empfiehlt ausgewogene, haltbare Lebensmittel ohne besondere Lagerungsanforderungen:
- Getreide: 3,5 kg (Haferflocken, Vollkornkekse, Knackebrot)
- Gemüse und Hülsenfrüchte: 4 kg (Konserven, Trockenware)
- Obst: 2,5 kg (Konserven, Trockenfrüchte)
- Fleisch/Fisch: 1,5 kg (Konserven: Thunfisch, Huhn, Lachs)
- Milchprodukte: 2,1 kg (H-Milch, Butter, Hartkase)
- Fette und Ole: 0,4 L
- Sonstiges: Zucker, Salz, Honig, Nussbutter (Kalorienreserve)
Nicht vergessen
- Dosenöffner (manuell, kein elektrischer)
- Campingkocher + Gaskartuschen (min. 3 für 10 Tage bei sparsamer Nutzung)
- Feuerzeug und Streichhölzer
- Küchenrolle, Alufolie, Zip-Beutel
Lagerung: Dos und Don'ts
Richtig lagern:
- Kühle, dunkle, trockene Orte: Keller, Vorratsschrank, unteres Küchenbord
- Lebensmittelkonserven liegend oder stehend auf Regalen, niemals gestapelt
- Wasser in lichtundurchlassigen lebensmittelgekennzeichneten Kunststoffbehaltern (kein Gewühlte Plastikflaschen vom Getrank-Kauf)
- FIFO-Prinzip: Ersten rein, ersten raus — neue Kaufe nach hinten stellen
Fehler vermeiden:
- Keine Lebensmittel nahe Reinigungsmitteln oder Chemikalien lagern
- Wasserkanister nicht in direktem Sonnenlicht stehen lassen (Algenbildung, Plastikausdunstung)
- Konserven mit Dellen, Rost oder Wölbung sofort entsorgen
- Verfallsdaten regelmaßig prufen (Jahresrhythmus empfohlen)
Schritt-für-Schritt: Vorrat in 4 Wochen aufbauen
Der Vorrat muss nicht auf einmal gekauft werden. Ein 4-Wochen-Plan macht den Aufbau erschwinglich:
Woche 1 — Wasser: 6 x 10-Liter-Kanister kaufen, befüllen, beschriften. Kosten: ca. 25-40 Euro.
Woche 2 — Konserven: 12-15 Dosen gemischter Inhalt (Thunfisch, Bohnen, Tomaten, Gemüse). Kosten: ca. 20-30 Euro.
Woche 3 — Trockenwaren: Haferflocken, Knackebrot, Nudeln, Reis, Nussbutter, Trockenfrüchte. Kosten: ca. 20-35 Euro.
Woche 4 — Equipment: Campingkocher, Gaskartuschen, Taschenlampe, Batterien, Dosenöffner, Erste-Hilfe-Kasten prüfen und ggf. erganzen. Kosten: ca. 40-80 Euro (je nach Vorhandensein).
Gesamtinvestition: 100-185 Euro — einmalig für ein deutlich höheres Sicherheitsniveau.
Warum 10 Tage realistisch sind
Die Erhöhung von 72 Stunden auf 10 Tage ist keine Panikmache, sondern das Ergebnis von Erfahrungen aus realen Katastrophen. Das Hochwasser im Ahrtal 2021 hinterließ Gemeinden tagelang abgeschnitten. COVID-19 zeigte Lieferkettenprobleme bei essenziellen Waren. Der Wintersturm Friederike 2018 ließ Hunderttausende ohne Strom.
Wer 10 Tage ohne externe Versorgung uberstehen kann, gehört zu den Menschen, die nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sind — und damit auch denen helfen können, die es nicht schaffen, sich selbst zu versorgen. Eigenvorsorge ist auch Gesellschaftsvorsorge.




